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Finnland

Ein paar Tage in Finnland im Herbst

Bären sind neugierig und ich, Tüte, der kleine Bär bin es auch. Weil meine Freunde nach Finnland mussten, fuhr ich natürlich mit. Ich wollte ja schließlich wissen, wie das Land der tausend Seen aussieht. In der finnischen Sprache heißt das Land übrigens nicht Finnland sondern Suomi.
Als mein Flugzeug aus Berlin Finnlands Hauptstadt Helsinki anflog, lagen unter mir tausend kleine Inselchen in der Ostsee. So viele Inseln hab ich zuvor noch nie gesehen.

Vom Flughafen, den die Finnen lustigerweise „Flygstation“ nennen, fuhr ich mit einem gemieteten Auto ins Zentrum von Helsinki. „Ach“, dachte ich, „hier sieht´s ja aus wie in St. Petersburg“. Zweimal war ich ja schon in der wirklich schönen Stadt St. Petersburg und ich konnte deshalb die Städte gut miteinander vergleichen. Okay, es sind nur einige Straßen im Zentrum von Helsinki, in denen es wie in St. Petersburg aussieht, aber man erkennt daran, dass Finnland bis 1917 von Russland besetzt war.

Bevor Napoleon sich in Europa herumprügelte war Finnland schwedisch. Vor dem Hafen von Helsinki haben die Schweden auf der Insel Suomenlinna eine tolle Festung gebaut. Um 1800 haben die Russen die Festung übernommen und wahnsinnig große schwere Kanonen aufgestellt. Ich kleiner Bär kann mich in den Kanonenrohren sogar verstecken; ja ja, ich hab es probiert.

Von Helsinki fuhr ich nach Tampere zur Universität. Die Uni war für mich aber nicht wichtig, weil ich zum studieren noch zu klein bin. Ich wollte einige von den über 50.000 finnischen Seen besuchen. Bei Tampere steht ein Turm von dem aus ich einen fantastischen Ausblick über eine sehr schöne Seenlandschaft hatte. Von den Seen war ich so begeistert, dass ich beschloss eine Autotour um einige dieser Seen zu machen.

Hm, ich fuhr durch endlose Wälder, die meistens die Sicht auf die Seen verdeckten, nur selten sah ich durch die Stämme das Wasser. Ab und zu stieg ich aus, um durch den Wald bis zum Wasser zu laufen. Ja denkste, jedes Mal stand am Zugang zum Seeufer ein schmuckes Häuschen auf privatem Grundstück über das auch ein kleiner Bär nicht einfach so rüber spaziert. Ich hatte Mühe, meine Tatzen mal ins Wasser zu tauchen.

Einfacher geht das in vielen Dörfern und Städtchen, die an die Ufer der schönen Seen gebaut sind.
Städtchen an den Seen? So wie Tampere. Aber nicht nur die Seenlandschaften machen Tampere interessant. Ich habe dort das Mumin Museum besucht! Mumin? Was das ist? Eine Schriftstellerin hat aus einem Nilpferd ein Fabelwesen gemacht. Alles was die Mumins angestellt und erlebt haben, ist dort in vielen lustigen Modellbauten dargestellt. Sogar im Flughafen von Helsinki gibt es ein Geschäft, in dem es nur Mumins gibt. Mumins in allen Farben, Größen und Formen.

Ja und was ich kleiner Bär noch sagen wollte: Autofahren auf Finnlands Straßen und Autobahnen ist wie Urlaub: Mit maximal 120 dahintrudeln. Vorbei an Straßenschildern mit einem Rentier darauf, das aussieht als könnte es beim Laufen seine schlaksigen Beine verwechseln. Mit meinen kurzen Bärenbeinen kann das nicht passieren und ich denke mir, so lange sich die Rentiere beim Laufen keinen Knoten die Beine machen, ist doch alles okay!

Dieses Mal habe ich kein Rentier gesehen, vielleicht deshalb nicht, weil ich nur kurze Zeit an den Seen und in den Wäldern war. Ach ja, die Wälder! Sie sind voll aller schönster Pilze!

Ein paar Tage in Finnland im Winter

Mir, Tüte dem kleinen Bären hat es in Helsinki und in Tampere, also im Süden von Finnland gut gefallen. Ich wollte mehr von Finnland und überhaupt mehr von den nördlichen Ländern sehen. Meinen Freund Sascha musste ich von meinen Wünschen erstmal überzeugen. Er war auf allen Erdteilen, aber die skandinavischen Länder besuchte er wenig. „Da regnet es zu oft und zu lange“ meinte er.

Mit meiner Freundin Christin hatte ich kein Problem. Na ja ---, Sascha hab ich mit meinem Charme so lange bezirpst, bis er ja gesagt hat. Dabei wusste er nicht, dass ich nicht nur im Winter zum Hunde-, Rentier- und Motorschlitten fahren in den Norden wollte. Nein, meine großen Brüder, die Braunbären in freier Natur, spukten mir im Kopf herum.

Weil die Brummbären ja Winterschlaf halten, blieb mir doch nichts weiter übrig, als für den Sommer noch einmal die finnischen Wälder im Norden anzupeilen. Diese tolle Idee behielt ich aber noch für mich.
Wir flogen ins tief verschneite Ivalo am Inari See. „Lapinleuku“ so heißt ein im nordischen Wald, direkt am See gelegenes Blockhaushotel; uriger ging es nicht. Ein Super Geheimtipp! Tolles Hotel, nur zum Schlafen war erst einmal wenig Zeit. Am nördlichen klaren Himmel, bis weit über den Inari See leuchteten Nacht für Nacht wunderschöne Polarlichter! Ich, Tüte, sah zum ersten Mal als kleiner Bär am Himmel riesige, sich ständig verändernde Nordlichter. Sascha hat mir erklärt wie das alles funktioniert, aber da muss ich noch üben um das beschreiben zu können.

Im vergangenen Sommer, in Südfinnland, begegnete ich keinem einzigen Rentier. Aber jetzt! Ich saß auf einem Schlitten und schaute in das Hinterteil eines Rentiers, das meinen Schlitten durch den Wald zog. Nach der Schlittenfahrt hatte mein Rentier Hunger. Natürlich habe ich es gefüttert, „aber Vorsicht“, sagte ich mir „wenn das Rentier schnell seinen Kopf bewegt, könnte mich eine Spitze von seinem ganz schön großem Geweih treffen“. Es ist nichts passiert, das Huftier hat nur ans fressen gedacht!

Drei Stunden Motorschlitten fahren stand in unserem Programm. In meinem dicken Bärenfell unter meiner Jacke musste ich mir wegen der nordischen Kälte keine Sorgen machen.

Meine Freunde stiegen in feste, winddichte Motorradfahrer Kombinationen. So ein Motorschlitten fährt bis zu 120 km/h und da wollten sie keinen Husten bekommen. Hmm, den Krachmacher steuerten wir durch die stillen finnischen Wälder. In den klaren abgelegenen Waldschneisen lag der Duft von knatternden Motoren. Wir freuten uns auf Huskys.

Gesagt, getan! Acht Husky warteten jaulend, kläffend, bellend und ungeduldig in ihren kleinen Geschirren vor einem Schlitten. Ein Anker im Schnee hielt ihn fest, die Hunde wären sonst längst mit ihrem, leicht über den Schnee rutschendem Holzgefährt abgehauen. Der sehr gut aussehende Leithund wurde plötzlich ganz still und betrachtete mich von den Ohren bis zu den Tatzen. Vermutlich sah er noch nie einen kleinen Bären.

Anker weg, Bremse los. Die acht Huskys zogen ab, als gäbe es nichts Schöneres für sie. Der lautlose Wald, weite weiße Flächen, berauf bergab, klare saubere Luft; nur die durch den Schnee gleitenden Schlittenkufen erzeugten heute das einzige leise Geräusch.

Stopp an einer Blockhütte, drinnen ein Holzfeuer, darauf ein heißes Getränk. Die Huskys kauten an einem Leckerli. Dann ein durch den Wald hallendes Bellen und Jaulen, sie spürten, sie durften wieder das tun, was sie am liebsten taten, den Schlitten ziehen.
Es war ein zauberhafter Tag. Am liebsten wäre ich, der mutige Tüte auf einem Husky geritten, aber das traute ich mich dann doch nicht.